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Unser Ghostwriter scheint am falschen Ort zu sein
Mittlerweile sind wir etwa auf S. 100 von 400 Seiten in der deutschen Übersetzung, und nach einer relativ guten Einführung, die ganz geschickt mit Andeutungen arbeitete, macht sich langsam Langeweile breit. Es wird alles ein wenig zu ausführlich beschrieben: die Atmosphäre auf Martha´s Vineyard, im Haus des milliardenschweren Medienunternehmers, in dem der Ex-Premierminister sein Buch schreiben soll, die Menschen, die ihn umgeben, Ehefrau, Assistentin, Sicherheitsleute usw. Es dauert einfach zu lange, bis das kommt, was der Leser ohnehin schon erwartet hatte.
Die Geschichte mit den illegal verhafteten Briten in Pakistan gewinnt nun endlich Bedeutung. In die Abgeschiedenheit des Hauses auf Martha´s Vineyard dringt die Meldung, der frühere britische Außenminister habe angekündigt, er werde das in seinem Besitz befindliche Beweismaterial dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag übergeben. Und plötzlich kommt sich der Ghostwriter vor wie ein Theaterbesucher, der während der Vorstellung eigentlich nur die Toilette gesucht hatte und versehentlich auf der Bühne gelandet war. Dieses Gefühl setzt sich sehr rasch fort, als er – gegen die getroffenen Vereinbarungen – das Manuskript seines Vorgängers von seinem Computer im Haus des Ex-Premierministers per E-Mail an seinen eigenen Computer zu schicken versucht – und im Hotel feststellen muss, dass der Dateianhang verschwunden ist.
Bald wird er selbst in das Haus des Ex-Premierministers umgesiedelt, und wohnt nun ausgerechnet in dem Zimmer, das früher der verstorbene erste Ghostwriter bewohnt hatte. Und außerdem verfasst er eine Presseerklärung für seinen Auftraggeber, was ihn praktisch zum ‚Komplizen’ macht, wie er von den Mitarbeitern im Hause nun auch angesehen wird. Jetzt wird auch klar, was die Memoiren eigentlich werden sollen: eine Verteidigungsschrift für die Handlungen des Ex-Premiers im Kampf gegen den Terror.
Fortsetzung ...
Rezension zu Robert Harris, Ghost, München: Wilhelm Heyne Verlag 2007, 398 Seiten (Original The Ghost, London: Hutchinson 2007)
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