Kann ein Redakteur ein Ghostwriter sein?
Rainer Schmitz´ Hinweis auf Eckermanns Mitwirken an Goethes „Wanderjahren“ wirft tatsächlich die Frage auf, wo Ghostwriting beginnt. Muss der Ghostwriter eigenständige Beiträge zu einem Text erbringen? Oder kann man schon von Ghostwriting sprechen, wenn ein anderer Mensch als der im Titel genannte Autor den Text auf die Weise redigierte, dass er ihn in eine bestimmte Form brachte oder aus den Manuskripten des Autors auswählte?
Die Antwort hängt natürlich (a) von der Art eines Textes und (b) vom Ausmaß des Redigierens ab.
Bei einem literarischen Text muss man zunächst unterstellen, dass er vom Autor so und nicht anders gemeint war. Außerdem sollte jedes Element in ihm durch seine Funktion für das Ganze bestimmt sein.
Wenn Goethe also Aphorismen in sein Buch aufnahm, so können wir sie nicht einfach als kleine Gedankensplitter des Autors auffassen, die für sich selbst Interesse beanspruchen können. Sie gehören in die literarische Komposition. Wären sie anders zusammengestellt, so würden sie etwas anderes zu diesem Buch beitragen, dessen Teil sie sind.
Fortsetzung ...
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