Beschäftigte Goethe einen Ghostwriter?
Interessanter ist in Schmitz´ Artikel der Hinweis auf die Entstehungsgeschichte von Goethes „Wanderjahre“. Schmitz weist auf Eckermanns Bericht hin, dass Goethe zunächst zu wenig Text zur Verfügung hatte, um einen dreibändigen Roman daraus machen zu können, wie er es dem Verlag zugesichert hatte. Das Problem war in der Tat sehr schwierig, denn der Gang des Romans war bereits fertig.
Die Lösung war aber bald gefunden: Goethe zog zwei Manuskriptbündel mit Aphorismen hervor und bat Eckermann, daraus einen Text von entsprechendem Umfang zusammenzuredigieren, der dann in das Manuskript eingefügt werden sollte. Nach Schmitz ist das die Editionsgeschichte der Abschnitte „Betrachtungen im Sinne der Wanderer“ und „Aus Makariens Archiv“ in Goethes „Wanderjahren“.
Es ist nicht leicht zu entscheiden, ob man in diesem Fall Eckermann als Ghostwriter bezeichnen kann. Genau genommen hat er nichts selbständig geschrieben. Jedenfalls ist nicht bekannt, dass er eigene Aphorismen eingefügt hätte, und es besteht auch kein Grund für einen solchen Verdacht.
Fortsetzung ...
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