Münchhausen und eine Krankheit
Übrigens hat es der Baron Münchhausen – bzw. sein Ghostwriter - inzwischen auch zu medizinischen Ehren gebracht. Es gibt eine psychiatrische Erkrankung, die als Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom bezeichnet wird. Betroffen sind in der Regel Mütter, die Krankheiten bei ihren Kindern vortäuschen oder sogar absichtlich hervorrufen, um eine ärztliche Behandlung zu erreichen.
Anders als bei der Hypochondrie, bei der eine starke Angst besteht, an einer ernsten Krankheit zu leiden, ohne dass sich dafür objektive Befunde finden ließen, versucht jemand mit dem MSBP also, andere Menschen krank erscheinen zu lassen oder sie sogar krank zu machen, um Aufmerksamkeit und Zuwendung vor allem von Ärzten und Pflegepersonal zu erhalten.
Man ist versucht zu sagen: jemand tritt als Ghostwriter für die Krankheiten eines anderen Menschen auf.
[ Über Rudolf Erich Raspe ist vor einiger Zeit ein schönes Buch erschienen: Andrea Linnebach, Hg., Wissenschaft, Kunst, Abenteuer – Der ‚Münchhausen’-Autor Rudolf Erich Raspe, euregioverlag Kassel 2005, 164 S. mit farbigen Abbildungen ]
(Das Münchhausen-Zitat am Anfang stammt aus dem Projekt Gutenberg, http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=266&kapitel=5&cHash=7082cebb4amuench 04#gb_found; dort kann übrigens der ganze Text bezogen werden.)
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