Münchhausen und wie er Opfer eines Ghostwriters wurde
Näher mit dem Metier der Ghostwriter befasst waren allerdings einige Herren, die bei diesem abendlichen Geschichtenerzählen des Freiherrn von Münchhausen unter anderen literarisch und philosophisch gebildeten Herren zugegen waren, zu denen etwa auch Georg Christoph Lichtenberg zählte, der freilich über jeden Ghostwriter-Verdacht erhaben ist. Aber es gab zwei Herren, die für das Thema Ghostwriting in Zusammenhang mit dem Freiherrn von Münchhausen von Bedeutung wurden.
Der eine prospektive Ghostwriter war der damalige Museumsdirektor und Professor Rudolf Erich Raspe, der selbst schon eine Ritter-Romanze (‚Hermin und Gunhilde’) veröffentlicht und keineswegs eine Ghostwriter-Karriere angestrebt hatte. Als Museumsdirektor war er auch für die Münzsammlungen des Landgrafen von Hessen-Kassel verantwortlich.
Es ist nicht sicher, ob die Geschichte nach heutigen kriminalistischen Maßstäben korrekt aufgeklärt wurde, Sherlock Holmes stand auch noch nicht zur Verfügung, jedenfalls: Herr Raspe wurde beschuldigt, ein Vermögen in Form von Münzen unterschlagen zu haben. Er floh daraufhin nach England, arbeitete in der Industrie, suchte nach Bodenschätzen und übersetzte ‚Nathan der Weise’ in die englische Sprache.
Fortsetzung ...
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