Ein berühmter Fall (6)

Ghostwriter oder nicht Ghostwriter – Shakespeare lebt

Manche Menschen sind fest davon überzeugt, dass Elvis Presley noch lebt. Von Mr Shakspeare und seinem Ghostwriter wird man das nicht behaupten wollen. Allerdings sollte man auch nicht zu der These Zuflucht nehmen, die Werke des William Shakespeare seien von Aliens auf die Erde gebracht worden, um uns an ihrer weit fortgeschrittenen Kultur teilhaben zu lassen. Aliens als Ghostwriter sind denn doch noch weniger wahrscheinlich als die heute diskutierten Kandidaten im Fall Shakespeare. Letztlich ist es auch nicht wichtig, wer die Werke geschrieben hat, die wir heute unter dem Namen Shakespeare kennen, ob ein Ghostwriter oder doch vielleicht jener Mr Shakspeare aus Stratford. Vielleicht ist es sogar von Vorteil, dass wir so wenig über den Autor wissen. Wir neigen viel zu sehr dazu, Literatur von der Biographie des Schriftstellers oder Dichters her zu verstehen. Schiller hat dazu geschrieben, dass nur der mittelmäßige Künstler sich selbst in seinen Werken ausdrückt. Also sollten wir die Werke der großen Dichter auch nicht biographisch zu verstehen suchen. Es ist nur von Vorteil, dass wir dies bei Shakespeare nicht können, weil wir so gut wie nichts über diesen Autor wissen.

Emerson drückte das Grundproblem von Shakespeares Autorschaft an seinen Werken in dem Gedanken aus, er könne dessen Leben nicht mit dessen Werk „verheiraten“. Ein Motiv für die Suche nach einer bestimmten Person ‚hinter’ den Werken ist sicher dieser Wunsch, einen Menschen mit dem Werk verbinden zu können, der zu diesem Werk passt. Es widerspricht unseren eingeübten Vorstellungen, dass ein Mensch wie Mr Shakspeare einen genialen Beitrag zur Weltliteratur geleistet haben soll. Der Gedanke an einen Ghostwriter kommt dann sehr leicht. Deshalb suchen wir nach der wahrscheinlicheren Erklärung, und sicherlich gelingt ein solches ‚Passen’ bei dem 17th Earl of Oxford weit besser als bei Mr Shakspeare aus Stratford; und das Gleiche gilt wohl auch für Francis Bacon und Christopher Marlowe.

Die Neue Zürcher Zeitung berichtete im September 2007, dass an der Brunel University ein Studiengang angeboten wird, der zu einem Master of Arts in Shakespeare Authorship Studies führen soll. Damit soll die Suche nach einem Ghostwriter hinter Mr Shakspeare gefördert werden. Vielleicht führt dies tatsächlich zu neuen Hinweisen und Spuren. Vermutlich werden wir aber nie Gewissheit darüber finden – es sei denn, in irgendeinem englischen Landhaus findet sich auf einem Speicher irgendwann ein Manuskript, das eine gesicherte Zuschreibung zu einem der Kandidaten für die Autorschaft an Shakespeares Werken erlaubt. Solange können wir uns an den geheimnisvollen Ghostwriter halten, der in All´s Well That Ends Well schrieb:

The king's a beggar, now the play is done;
All is well ended, if this suit be won,
That you express content; which we will pay,
With strife to please you, day exceeding day.
Ours be your patience then, and yours our parts;
Your gentle hands lend us, and take our hearts.

Noch ein Hinweis in eigener Sache: Die Beratung für Autoren GbR versichert ehrenwörtlich, dass Mr Shakspeare keinen ihrer Mitarbeiter für das Verfassen von Theaterstücken oder Sonetten beauftragt hatte und dass keiner ihrer Mitarbeiter in irgendeiner Weise an der Produktion von Texten gleichwelcher Art beteiligt war, die heute Mr William Shakespeare zugeschrieben werden.

* * *

Für diesen Text wurden die folgenden Quellen benutzt:
Walter Klier, Das Shakespeare-Komplott, Göttingen 1997
Charlton Ogburn, The Mysterious William Shakespeare, McLean 1992
Joseph Sobran, Genannt: Shakespeare, Köln 2002
Warren Hope/Kim Holston, The Shakespeare Controversy, Jefferson 1992
Internetquellen:
http://wiki.bildungsserver.de/weltliteratur/index.php/William_Shakespeare#Urheb erschaft_seiner_Werke
http://de.wikipedia.org/wiki/William-Shakespeare-Urheberschaft
http://rotary1830.org/Geislingen-Steige/Vortraege/03-03-25-Vortrag-Geldbach- Wer-schrieb-Shakespeare.pdf
http://www.shakespeare-gesellschaft.de/info/shakespeare/autorschaft.html
http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/zweifel_an_shakespeare_1.556790 .html

Alle Rechte an diesem Text liegen bei der Beratung für Autoren GbR, Ettlingen 2008. Eine Reproduktion in irgendeiner Form ist nicht gestattet, es sei denn mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung durch die Inhaberin der Rechte.

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