Ein berühmter Fall (3)

Die Frage nach Mr Shakspeares Ghostwriter

Es gibt in der Tat eine ganze Reihe guter Gründe für solche Zweifel an der Autorschaft des Mr Shakspeare, welche die Vermutung nähren, ein Ghostwriter habe die weltberühmten Werke verfasst.. Auch einige Zeit nach seiner Rückkehr nach Stratford im Jahr 1610 erschienen in London noch Werke unter dem Namen Shakespeare. Wurden sie von seinem Ghostwriter geschrieben? Sein Testament ist ganz so abgefasst, wie dies in der damaligen Zeit ein Geschäftsmann getan hätte, nicht aber ein bekannter Schriftsteller. Es erwähnt an keiner Stelle Theaterstücke oder Gedichte oder Ansprüche auf die Autorschaft irgendwelcher literarischer Werke. Dass auch nicht von einem Ghostwriter die Rede ist, verwundert dagegen nicht. Auch von den Anteilen Shakespeares an der Theatergruppe der „Lord Chamberlain’s Men“ (bzw. „King’s Men“) und am Globe Theatre und Blackfriars Theatre in London ist nicht die Rede. Dafür hinterlässt Mr Shakspeare seiner Witwe sein „zweitbestes“ Bett (die Bedeutung dieser Passage ist bis heute unklar), aber keinen Penny. Ob das ein weiterer Verdachtspunkt für Ghostwriting ist, kann offen bleiben.

Aber auf diesem Testament finden sich drei Unterschriften des Mr Shakspeare von insgesamt fünf erhaltenen. Alle Signaturen weisen auf eine ungeübte Hand hin, die nicht vermuten lässt, dass der Erblasser sich mit dem Schreiben von Theaterstücken und Gedichten beschäftigt hat. Darüber hinaus wird nirgends von Trauerbekundungen aus der literarischen Welt Londons berichtet. Wusste man dort vielleicht von einem Ghostwriter hinter Mr Shakspeare? Es finden sich keine Nachrufe und keine Meldungen über seinen Tod aus der Metropole. Übrigens ist die erste Form der Grabbüste des Mr Shakspeare durch eine Zeichnung bekannt. Sie zeigt einen Mann, der sich fest an einen Sack klammert. Heute allerdings kann man in der Kirche von Stratford eine andere Grabbüste sehen. Jetzt hält Mr Shakspeare eine Feder und ein Stück Papier. Diese Gestalt stammt jedoch aus dem Jahr 1746 – einhundertunddreißig Jahre nach dem Tod des dargestellten Mannes. Ein Beweis gegen die These vom Ghostwriter ist dies jedenfalls nicht.

Charlton Ogburn weist darauf hin, dass vor allem die folgenden Gründe dafür sprechen, dass hinter Mr Shakspeare ein Ghostwriter stand, der die genialsten Werke der englischen Literatur – und vielleicht der Weltliteratur – geschrieben hat (Ogburn 1992, S. 17).

  • Nach seinem bekannten Charakter und sozialem Hintergrund, vor allem aber aufgrund der mangelnden Bildung und seiner Interessen sowie seinem Erfahrungshintergrund war Mr Shakspeare gerade das Gegenteil eines Mannes, dem die Autorschaft an den Werken Shakespeares zugeschrieben werden könnte.
  • In seinem ganzen der Nachwelt bekannten Leben war Mr Shakspeare nie als Autor bezeichnet worden. Die Leute aus Stratford bezogen sich nie auf ihn als Schriftsteller oder Dichter.
  • Niemand hat ihn je als einen besonders bedeutenden Mann angesehen, erwähnt wurde nur, dass er ein verhältnismäßig reicher Mann war.

Vor allem wurde das Argument der zu geringen Bildung wichtig für die These von einem Ghostwriter hinter Mr Shakspeare. Es gab in Stratford zwar eine Lateinschule, aber es ist nicht genau bekannt, dass er dort zur Schule ging. Es erscheint auf jeden Fall unwahrscheinlich, dass er dort das Bildungsniveau hätte erwerben können, das seine Stücke dokumentieren. Es ist deshalb nur schwer vorstellbar, dass ein einfacher Mann aus Stratford von geringer Bildung die Werke schreiben hätte können, die heute unter dem Namen des Autors Shakespeare bekannt sind. Ein gebildeter Ghostwriter dagegen ist leichter vorzustellen. An vielen Stellen in seinen Werken finden sich Hinweise auf antike Autoren, die damals noch nicht übersetzt waren; also muss der Verfasser deren Texte in den Originalsprachen gelesen haben. Das Vokabular in Shakespeares Werken umfasst etwa 29.000 verschiedene Wörter – zum Vergleich: der Wortschatz der King James Bible enthält nur ca. 5000 verschiedene Wörter. Wenn es einen Ghostwriter für Mr Shakspeare gab, so muss er also umfassend gebildet gewesen sein. Darüber hinaus tauchen in den Werken sehr viele Fachausdrücke auf, die ein einfacher Mann kaum gekannt haben könnte. Dies gilt insbesondere für die juristische Sprache, die sich an vielen Stellen findet, aber auch für Begriffe, die sich auf in erster Linie aristokratische Sportarten und Unterhaltungen beziehen. Dies deutet auf einen Ghostwriter von hohem Stand.

Fortsetzung nächste Seite ...

Seite 1     Seite 2     Seite 3     Seite 4     Seite 5     Seite 6

[Start] [Prinzipien] [Leistungen] [Kontakt] [Mitarbeiter gesucht]

Start - Prinzipien - Leistungen - Kontakt - Mitarbeiter gesucht - AGB - Ein berühmter FallEin berühmter Fall (2)Ein berühmter Fall (3)Ein berühmter Fall (4)Ein berühmter Fall (5)Ein berühmter Fall (6)LinksGeschichte(n)AntikeAntike 2Antike 3Antike 4Antike 5Antike 6MünchhausenMünchhausen 2Münchhausen 3Münchhausen 4Münchhausen 5Münchhausen 6Münchhausen 7DumasDumas 2Dumas 3Dumas 4Dumas 5Dumas 6Dumas 7Cyrano de Bergerac - Cyrano de Bergerac 2 - Cyrano de Bergerac 3 - Cyrano de Bergerac 4 - Cyrano de Bergerac 5 - Cyrano de Bergerac 6 - Cyrano de Bergerac 7 - Cyrano de Bergerac 8 - Cyrano de Bergerac 9 - Cyrano de Bergerac 10RezensionenRainer SchmitzRainer Schmitz 2Rainer Schmitz 3Rainer Schmitz 4Rainer Schmitz 5 - Robert Harris - Robert Harris 2 - Robert Harris 3 - Robert Harris 4 - Robert Harris 5 - Robert Harris 6 - Robert Harris 7 - Robert Harris 8 - Robert Harris 9 - Robert Harris 10 - Robert Harris 11 - Robert Harris 12 - Robert Harris 13 - Robert Harris 14 - Robert Harris 15 - Robert Harris 16 - Klaus Modick 1 - Klaus Modick 2 - Klaus Modick 3 - Klaus Modick 4 - Klaus Modick 5 - Klaus Modick 6 - Klaus Modick 7 - Klaus Modick 8 - Klaus Modick 9 - Klaus Modick 10