Lysias als Ghostwriter und Redner
Übrigens ist Lysias auch außerhalb seiner Ghostwriting-Tätigkeit bekannt geworden. Bis heute gelten seine Reden als wichtige Quellen für die gesellschaftlichen Verhältnisse in Athen in der Zeit nach dem Ende des Peloponnesischen Krieges.
Nach den bekannten Quellen wurde Lysias etwa 445 v. Chr. in Athen geboren, wo er ca. 380 v. Chr. starb. In der Philosophie ist er den Kennern des Platonischen Denkens bekannt, weil Platon im Dialog ‚Phaidros’ den Sokrates eine ‚Liebesrede’ von Lysias erwähnen läßt, die Sokrates dann mit Phaidros diskutiert. Allerdings wird er dabei nicht als Ghostwriter vorgestellt. Sokrates nennt ihn jedoch „den größten Meister unter allen jetzt im Schreiben“ und erklärt mit einem gewissen Neid, dass er glücklich wäre, wenn er diese Rede auswendig lernen hätte können.
Allerdings benutzt Sokrates die Rede des Lysias nur, um schließlich auf seine zentrale These zu kommen, wonach eine ‚bloße Redekunst’, die nicht an der Wahrheit des verhandelten Themas interessiert ist, nur „eine gar lächerliche und unkünstliche Redekunst“ sein müsse, wie es im gleichen Dialog heißt. Auch in der aristotelischen Rhetorik kommt Lysias vor, allerdings nur am Rande und mit einigen wenigen Zitaten.
Fortsetzung ...
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